Lebensversicherung und Garantie ….doch nix wert?

Fragen Sie 100 Menschen, ob Sicherheit bei Geldanlagen und Altersvorsorgeverträge wichtig sei. Sie werden vermutlich 100 Mal die gleiche Antwort bekommen…

Nun ja, insoweit haben Versicherungsgesellschaften bisher versucht dieses Sicherheitsbedürfnis zu bedienen und liebend gern Produkte mit einem Garantiezins verkauft.

So war es bisher

Soweit stimmte es erstmal auch: Der Garantiezins zum Abschlusszeitpunkt ist bezogen auf den Sparanteil (!) für die gesamte Laufzeit garantiert. Sparanteil? Lesen Sie hier

Sichergestellt werden sollte das seit jeher durch strenge Vorschriften, wie Geld der Lebensversicherungskunden angelegt werden muss. Zu einem hohen Prozentsatz nämlich in Staatsanleihen, denn ein Staat sei ein sicherer Schuldner und könne als einer der wenigen Marktteilnehmer überhaupt derartige Garantien über entsprechend lange Laufzeiten der Verträge sicherstellen. Der jeweils aktuelle Garantiezins orientiert sich am Zinsniveau von Staatsanleihen im rollierenden 10-Jahres-Vergleich.

Das Problem

Laut Branchenexperten werden aktuell ca. 0,3% p.a. erwirtschaftet, wohingegen die Garantieversprechungen für laufende Verträge bei durchschnittlich 3,2% p.a. lägen. Einige Versicherungsgesellschaften haben das Neugeschäft in diesem Bereich eingestellt. Andere werden es noch tun (müssen). Und auch für relativ große Versicherungsunternehmen wird es vermutlich – zeitverzögert – zu gravierenden Problemen kommen, da deren Kapitalausstattung als „Puffer“ nicht ewig aber immerhin länger hält.

Das passierte zwischenzeitlich

– sinkende Zinsen der Staatsanleihen

­- daher auch Lebensversicherungsreformgesetz 01.01.2015 mit u.a. Senkung des Garantiezinses für neu abgeschlossene Verträge

– §89 Versicherungsaufsichtsgesetzt geändert (relativ leise, oder wussten Sie es?):  „Alle Arten von Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden.“

und

Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.”

 

Gefahr erkannt? Aber das ist vermutlich keine Lösung: (muss es ausdrücklich erwähnen, da oft in der Praxis erlebt)

– Versicherungsgesellschaft/Vertreter/Vermittler des Vertrags fragen, was man machen soll

– Vertrag beitragsfrei stellen (hebelt nämlich das obige Versicherungsaufsichtgesetz und seine möglichen Folgen nicht aus!)

– Policendarlehen aufnehmen (quasi Kredit auf das Sparguthaben des eigenen Vertrags; Logik? unbekannt!, mathematischer Sinn? vermutlich keiner, da Schuldzins hierfür immer über dem Guthabenszins liegt!)

Eine pauschale Handlungsempfehlung lässt sich nicht benennen. Immer im Einzelfall und je nach Vertrag bleiben ein evtl. bestehender Todesfallschutz (Hinterbliebenenabsicherung, Kreditabsicherung usw.) und eine evtl. Steuerfreiheit zu berücksichtigen. Diese Punkte dürfen allerdings nicht automatisch für eine Weiterführung des Vertrags sprechen. Andere (bessere) Produke können diese oft besser beantworten.

Von der beschriebenen Problematik sind neben der klassischen Lebensversicherung auch Rentenversicherung, betriebliche Altersversorgung, Entgeltumwandlung, Riester – und Rürup-Verträge betroffen

Fazit:

Legen Sie Ihre Verträge daher auf den Prüfstand und holen Sie sich neutrale Informationen ein

Herzliche GrüßeEuer/Ihr Marcus Miertschin

Lesen Sie im nächsten Beitrag:

Staatsverschuldung und Versicherungswirtschaft: warum Ihnen dieser Zusammenhang eigentlich nicht egal sein darf!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.