Altverträge Haushalt- und Gebäudeversicherungen? Nicht automatisch gut!

Immer wieder begegnen mir in der Praxis Altverträge bei Versicherungen, namentlich Haushaltversicherungen und Gebäudeversicherungen. Hier meine ich mal wirklich alt, oft aus DDR-Zeiten und manche wurden auch nie angepasst.

Die Argumente, die vermeintlich dafür sprechen sind sehr oft sehr pauschal:  

„Altverträge sind besser!“ meist ohne Begründung, oder aber mit Begründung wie z.B. Elementarschäden sind mitversichert, bei neuen Verträge gibt´s das gar nicht oder nur für sehr viel Geld.

1. Bitte Logik benutzen:

Ausnahmslos ALLE (!) Versicherungsnehmer, die einen Altvertrag haben, berichteten mir, dass sie vom Vertreter oder Vers.-Gesellschaft mal eine Vertragsanpassung, Umstellung auf den aktuellen Tarif oder einen komplett neuen Vertrag angeboten bekommen haben. Sie auch?

Unausweichliche Frage: warum bietet die gleiche Versicherung, bei der man einen „unschlagbaren und nicht mehr zu bekommenden Vertrag“  hat, eine Umstellung an? Muss etwas Gutes und Tolles verändert werden?

2. Elementarschadenversicherung oft „Totschlagargument“

Es geht bereits damit los, dass beim Begriff Elementarschaden bei Kunden und der Versicherungsbranche  unterschiedliche Ansichten herrschen. Endverbraucher vermuten hierunter oft sämtliche Naturgewalten, also Sturm, Hagel, Blitz/Überspannung, Überschwemmung, Rückstau, Erdrutsch, Schneedruck usw.

Fragt man gezielt nach, welcher dieser Punkte wichtig sei, verbleiben bei 80% der Kunden von den genannten aber nur Sturm, Hagel, Blitz/Überspannung als wichtig.

Moderne Tarife sichern diese Gefahren Feuer (inkl. Überspannung) sowie Sturm/Hagel ab. Der Baustein Elementar ist also gesondert versichert/versicherbar. Ob dieser Sinn macht muss daher selbstverständlich im Einzelfall und nach Lage des Hauses geprüft werden.

3. Die Praxis beweist es

Am Beispiel einer alten Haushaltversicherung (Haftpflicht- und Hausratvers. zusammen) in einem Einfamilienhaus:

4. was wirklich zählt

– Versicherungssumme Haushalt 7.670 EUR (m.E. ungenügend, bei einigen kostet wohl allein die Küche bereits so viel oder gar mehr). Zeitgemäße Tarife bieten meist 650 EUR je qm Wohnfläche,

– Blitzschlag ist nicht das Gleiche wie Überspannung

Blitzschlag ist der direkte/unmittelbare Übergang eines Blitzes auf eine Sache! Wichtiger/besser ist Überspannung, da eine Beschädigung der Geräte oft über das Leitungsnetz kommt)

– Neuwert contra Zeitwert

Wir lesen weiter von einem Abnutzungsgrad und Zeitwerterstattung. Moderne Anbieter ersetzen grundsätzlich den Neuwert des Hausrats, also was kostet heutzutage dieser Gegenstand gleicher Art/Güte/Ausführung, wenn man ihn neu kaufen würde. Die schlechte Zeitwerterstattung bietet hier nur eine geringe prozentuale Erstattung, da der Zeitwert eben manchmal nur noch 20% beträgt oder dieser gar schon bei 0 EUR ist.

Die erwähnten Unterschiede und Begrifflichkeiten gelten gleichsam für Hausrat- und Gebäudeversicherung und es gibt noch einige andere wichtige Punkte.

5. aktuelle Tarife oftmals besser

Man sollte sich nicht ungefiltert von Laubenversicherung, Reisegepäck und Elementar begeistern lassen. Es gibt immer einen konkreten Bedarf (wer keine Laube hat braucht auch keine Laubenversicherung). Damit es im Schadenfall keinen Ärger gibt, sollte man die Punkte unter 4 beachten. Ein guter Vertrag und damit eine schriftliche Grundlage für einen Schadenfall der teuer wird ist besser als die Hoffnung auf Kulanz!

Hinzu kommt, dass bei Altverträgen und/oder bestimmten Anbietern einige Risiken separat mit Extra-Geld versichert werden müssen, die bei modernen leistungsstarken aber doch günstigen Tarifen bereits beinhaltet sind, z.B.

– Haus- und Grundbesitzer-Haftpflichtversicherung für selbst genutztes Wohneigentum

– Öltank-/Gewässerschadenhaftpflichtversicherung

6. Vorsicht vor falschen Prioritäten

Wenn man z.B. eine Laube hat klingt Einbruchdiebstahl aus der Laube erstmal gut – ist oft aber gar nicht wichtig bzw. existenzbedrohend! Selbiges bei Elementarschäden: auf dem Papier mitversichert, sehr schön! In der Praxis aber zu minimalen Summen und dann auch nur zum Zeitwert.

Eigentlicher Fokus – da versicherungswürdig/existenzbedrohend – ist der Hausrat/das Gebäude zu ausreichenden Summen, und zum Neuwert, und mit nützlichen Leistungen

Fazit:

  • 1. Persönlichen Bedarf erkennen/erkennen lassen (es gibt niemanden, der nichts braucht, aber auch keinen, der alles braucht!). Bedarfsgerechte Entscheidungen sind immer besser als pauschale „alt-ist-besser-Vermutungen“!
  • 2. Persönliche Wünsche/Bedürfnisse einfließen lassen, Faktencheck und Vergleiche sind immer besser als Verkaufsgespräche mit einem Unternehmen
  • 3. auch bereits angepasste Verträge sind nicht automatisch gut, sie sind meist nur nicht ganz so schlecht wie nie angepasste Verträge.

Herzliche Grüße aus Bautzen

Ihr Marcus Miertschin

Persönlich für Sie da, wenn Sie möchten…

Online für Sie da, falls Ihnen das besser gefällt … www.besser-unabhängig.de

 

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